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Dr. med. Till Mendler
Facharzt für psychotherapeutische Medizin (TP)

Die narzisstische Phase - Die Entwicklungsphase, die Freud überging

Sigmund Freud formulierte als Grundlage seiner Entwicklungspsychologie die orale, die anale und die ödipal-genitale Phase. Formuliert man die frühkindlichen Entwicklungsphasen zeitgemäß neu, so stehen in einer ersten Phase die Bedürfnisse nach Bindung, Urvertrauen, Sicherheit und Geborgenheit ganz im Vordergrund. Daran schließt sich eine zweite Phase an, in der der Säugling die Herausforderung bewältigen muss, dass die Mutter sich ihm auch entzieht oder verweigert. In der darauf folgenden treten mit Spracherwerb und Motorik ein-hergehend Autonomiewünsche in den Vordergrund. Während Freud im Anschluss daran direkt die ödipale Phase formulierte, schließlich meiner Meinung nach hier zunächst eine nar-zisstische Phase an. Hier geht es um das Erkannt- und Gesehen-Werden, um Anerkennung und Bestätigung. Diese Phase dient der Selbstwertstabilisierung und legt den Grundstein für ein Selbstwertgefühl, das später nicht mehr auf die ständige Zufuhr von außen angewiesen ist, es geht um den Betroffenen selbst und seine Position in der Gruppe. "Schwanzvergleich" ist eine Vokabel, die nahezu symbolisch für die narzisstische Phase steht und Stellvertreter der großen Sorge ist, nicht gut genug zu sein, minderwertig da zu stehen oder ausgelacht und beschämt zu werden. Jetzt entwickelt sich der Lösungsversuch entlang der Erwartungen und unausgesprochenen Wünsche der Eltern: Werden diese hinreichend erfüllt, geht damit ein Gefühl einher, sich zumindest in dem Bereich, der Erwartungen befriedigt, in gewisser Weise autonom entfalten zu können.

Ich unterstelle, dass die Integration der narzisstischen Phase in das entwicklungs-psychologische Modell auch das Verständnis der narzisstischen Pathologie deutlich verbessern kann. Es wird Zeit, den Wunsch nach Anerkennung und Wertschätzung nicht länger als Ausdruck einer defizitären Entwicklung zu verstehen, sondern zunächst als Grundbedürfnis aller Menschen, das ebenso wie das nach Sicherheit, nach Nahrung und nach Autonomie ausreichend befriedigt sein will.

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